Herr Riemer, Sie sind seit dem Jahr 1996 für Berg+Schmidt tätig. Wie war
Ihr beruflicher Werdegang und welche Aufgaben gehören heute zu Ihrem Arbeitsalltag?
Glenn Riemer: Zu Beginn meiner Tätigkeit in
Hamburg hatte ich zwei Aufgabenschwerpunkte. Zum einen etablierte ich im Unternehmen
ein Qualitätsmanagementsystem und zum anderen war ich Produktmanager
für Rizinusölderivate, wofür ich Produkte aus Indien einkaufte und den Vertrieb sowie
die Logistik innerhalb Europas durchführte.
Bei dieser Tätigkeit erkannte ich bald, dass die Wirtschaftlichkeit eines in der Produktion
stehenden Unternehmens im Rohwareneinkauf liegt. Zudem merkte ich, wie wichtig
die Qualitätssicherung vor Ort ist. Denn Unterschiede in der Kultur, in Bildungssystemen,
in der Infrastruktur und der wirtschaftlichen Situation der Länder führen zu einem uneinheitlichen Qualitätsverständnis.
Daher ist es unerlässlich, den Rohwareneinkauf vor Ort zu bewerkstelligen. Diese
Maßgabe setzten wir 1996 mit der Gründung unserer ersten Niederlassung in Asien -
konkret in Singapur - mit der Berg+Schmidt Asia Pte Ltd. um. Im Jahr 1998 folgte dann
die Gründung von Berg+Schmidt (Malaysia) Sdn Bhd.
Am 1. Juni 1998 wechselte ich von unserem Stammhaus in Hamburg nach Singapur.
Mein Aufgabenschwerpunkt bestand zunächst darin, in Asien den Vertrieb für
BergaFat aufzubauen und ein Qualitätsmanagementsystem für unsere Unternehmen in Asien zu etablieren. Heute bin ich
neben verschiedenen neuen Projekten hauptsächlich für die Rohwarenbeschaffung
und die Produktion verantwortlich.
Internationale Unternehmen operieren
weltweit sehr unterschiedlich. Wodurch
unterscheiden sich Berg+Schmidt
Malaysia und Berg+Schmidt Asia von der
deutschen Zentrale im Hinblick auf das
Geschäftsmodell?
Glenn Riemer: Es gibt keine wesentlichen
Unterschiede zwischen den Geschäftsmodellen
von Hamburg und Asien. Beide Unternehmen haben mit der Lipid-Produktgruppe
und deren Anwendung in der Tierernährung die gleiche Spezialisierung.
Allerdings gibt es im Bereich der Fettpulver unterschiedliche Verantwortungsschwerpunkte.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten insgesamt in Singapur/Malaysia und welche Werte spielen in Ihrem Unternehmen die größte
Rolle?
Glenn Riemer: In Singapur und Malaysia
beschäftigen wir derzeit etwa 80 Mitarbeiter.
Wenn es um Unternehmenswerte geht,
wird Partnerschaft sicherlich als eines der
meist verwendeten Schlagwörter genannt.
Für mich ist gute Partnerschaft ganz einfach
daran messbar, wie lange die Zusammenarbeit
besteht. So sind wir stolz darauf,
dass nahezu all unsere Vertriebspartner,
Rohstofflieferanten und Lohnproduzenten
in Asien länger als ein Jahrzehnt mit uns
kooperieren. In diesem Zusammenhang
möchte ich den Firmeninhaber, Herrn Volkmar
Wywiol, zitieren: „Business is to make
friendship.“ Genau diese Aussage habe
ich in den Jahren meiner Tätigkeit in Asien
selbst erfahren. Die meisten Geschäftspartner
sind nicht nur unsere Kunden oder
Lieferanten, sondern Freunde unseres Unternehmens!
Natürlich besteht unser Tagesgeschäft in
erster Linie aus Produktion und Verkauf.
Letzten Endes geht es aber darum, das Vertrauen
des Kunden zu gewinnen. Sei es in
Form von Produktsicherheit, Qualität, Anwendungsberatung,
Lieferfähigkeit, Preis, Marktkenntnis oder Problemlösungen. Vertrauen
ist meines Erachtens die Grundlage
für eine lange Partnerschaft und Freundschaft.
Welche Produkte stehen im asiatischen
Markt für Futtermittel derzeit im Fokus?
Können Sie bestimmte Trends beobachten
und wie stellen Sie sich auf diese Trends
ein?
Glenn Riemer: Die meisten Futtermittelhersteller
in Asien müssen die Rohwaren
für das Futter wie beispielsweise Mais, Soya
oder Weizen importieren. Zudem sind diese
Länder Nettoimporteure von pflanzlichen
Ölen und Fetten. Die Futterenergie ist in
dieser Region ein wichtiges Thema. Deshalb
liegt es auf der Hand, welche Funktion
Berg+Schmidt in Asien einnimmt: Wir
bieten in diesem Punkt standardisierte und
auf die Bedürfnisse der jeweiligen Tierart
zugeschnittene Lösungen wie etwa die sehr
stark wachsenden Produkte BergaFat HTL-
316 für Monogastrier oder BergaPlus D für
den Milchviehsektor an.
Unser Ziel ist jedoch nicht nur, unsere Lipide
als Energieträger zu vermarkten, sondern
auch den Futterproduzenten zu helfen, die Verwertung der Bruttoenergie von verschiedenen
Futterkomponenten zu optimieren.
So verbessern das Phospholipidkonzentrat
BergaPur oder das NSP-Enzym BergaZym
nachweislich die Verdaulichkeit verschiedener
Nährstoffe und die Futterkosten können
ohne Leistungseinbußen reduziert werden.
Warum und seit wann produziert Berg+Schmidt BergaFat-Fettpulver in Malaysia?
Glenn Riemer: Malaysia ist mit einer Jahres-
produktion von etwa 17 Millionen Tonnen
nach Indonesien der weltweit zweitgrößte
Produzent von Palmöl. Seit 1996 produzieren
wir BergaFat in unserer eigenen
Produktionsanlage. Es ist die einzige Produktionsanlage,
die auf Fettpulver für die
Tierernährung spezialisiert ist und somit
auch die besonderen Ansprüche der Futterindustrie
erfüllen kann. Das schließt die
direkte Kontrolle bezüglich Rohwarenverfügbarkeit
und Qualität ebenso ein wie die
der Produktionskosten. Gegenüber Indonesien
bietet der Standort Malaysia folgende
Vorteile:
- bessere Infrastruktur für Logistik und Export
- transparenter Handel von Palmöl in Bezug auf Preis, Produktions-, Export- und
Lagermengen
- Palmöl kann für längerfristige Liefertermine gehandelt werden
- Malaysias Palmölindustrie ist gut organisiert durch verschiedene Vereinigungen
wie z. B. PORAM (Palm Oil Refiner Association
Malaysia), MPOB (Malaysia Palm Oil Board), RSPO (Round Table on Sustainable Palmoil)
- geringes Währungsrisiko, da Palmöl auch innerhalb Malaysias in USD gehandelt werden kann
- Sitz unserer Anlage in Banting inmitten der Palmöl-Plantagen. Unsere Produktion
ist exportorientiert und somit ist der nahe gelegene Seehafen Klang von Vorteil
Wie viele Tonnen Palmöl werden auf der Anlage im Jahr verarbeitet?
Glenn Riemer: Die Rohware für unsere Produktion ist raffiniertes Palmöl.
Im Umkreis von ungefähr 100 km befinden sich acht große Raffinerien, von denen wir stets frische Rohware erhalten. Wir verarbeiten
in unserer Anlage in Banting jährlich etwa 100.000 t Palmöl. Insgesamt arbeiten zirka 50 Mitarbeiter sieben Tage in der Woche
rund um die Uhr. Die Anlage wird nur zum Chinesischen Neujahr für zwei Tage geschlossen.
Wie sieht der Produktionsprozess für BergaFat aus?
Glenn Riemer: RBD Palm-Öl wird in unserer
Anlage zunächst kristallisiert und fraktioniert.
So können wir die gewünschte
Fettsäurenzusammensetzung, Jodzahl und
Schmelzpunkt des Fettes einstellen. Dieser
Prozess geschieht über Temperatur- und
Druckregelung rein physikalisch; dafür werden
keine chemischen Zusatzstoffe benötigt.
Spezielle Mischtanks und Homogenisatoren
ermöglichen die Einarbeitung von Zusatzstoffen
und Additiven in das Fett. Beispielsweise
fügen wir bei BergaFat HTL-306 oder
HPL-106 der Palmölfraktion Phospholipide
als Emulgator hinzu, um die Verdaulichkeit
des Fettpulvers zu verbessern.
Anschließend wird die flüssige Rohware
mit hohem Druck in den Kühlsprühturm
gesprüht. Dabei kristallisiert jeder einzelne,
fein versprühte Fetttropfen durch das
aufeinander abgestimmte Zusammenspiel
von Luftstrom, Fallweg und Temperatur. So entsteht aus dem flüssigen Fett ein hochwertiges
Pulver. Durch den jeweiligen Druck
und die Düsengröße kann die Partikelgröße
des Pulvers beeinflusst werden. Aus dem
Sprühturm wird die Ware in 25 kg- oder
625 kg- Big Bags abgefüllt.
Unsere Produktionsanlage kann Triglyceride
(z. B. BergaFat T-300) als auch Fettsäuren
(z. B. BergFat F-100) verarbeiten.
Wie groß ist die jährliche Kapazität der Sprühanlagen?
Glenn Riemer: Unsere Anlagen haben eine
Kapazität von insgesamt etwa 60.000 bis
65.000 Tonnen BergaFat pro Jahr. Die Nachfrage
nach BergaFat steigt kontinuierlich.
Wir erweitern unsere Kapazität darum zurzeit
um etwa 6.000 Tonnen pro Jahr.
Wie sichert Berg+Schmidt die Qualität der ein- und ausgehenden Waren?
Glenn Riemer: In unserem eigenen Labor
wird die eingehende Rohware analysiert,
bevor sie in den Produktionsprozess genommen
wird. Nach jedem einzelnen Produktionsschritt
werden weitere bestimmte
Parameter überprüft und dokumentiert.
Unser Labor ist für die Analytik der Parameter
FFA, POZ, M&I, SZ, FAC, Color Lovibond,
IV, SMP, AI, Phosphor und Protein ausgestattet.
Berg+Schmidt (Malaysia) ist gemäß
ISO 9001:2008 und GMP+ zertifiziert.
In wie viele Länder wird BergaFat exportiert?
Glenn Riemer: Berg+Schmidt exportiert
BergaFat weltweit in über 50 Länder. Dabei
kommen immer neue Länder hinzu; und
in einigen Ländern konnten wir unseren
Marktanteil erhöhen. Der Erfolg ist sicher
auf die bereits schon aufgeführten Gründe
wie beispielsweise unsere Konzentration
auf den Lipideinsatz in der Tierernährung
oder die Produktion am Rohstoffstandort
zurückzuführen. Der Erfolg liegt auch
darin begründet, dass wir die Pioniere im
Bereich der pansengeschützten Fette und
lecithinierten Fettpulver sind. BergaFat
gilt weltweit als Synonym für Fettpulver.
Unsere Stärke liegt in der stetigen Verbesserung
der Produkte und der Entwicklung
neuer BergaFat-Generationen. Dass wir von
der Industrie als Marktführer angesehen
werden, darauf sind wir schon stolz. Das
spiegelt sich auch darin wider, dass unser
Wettbewerb unsere Produkte kopiert oder
zumindest versucht, sie zu kopieren.
Erzählen Sie unseren Lesern von den Zukunftsplänen bei Berg+Schmidt Asia
und Berg+Schmidt Malaysia. Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Glenn Riemer: Unser genereller Geschäftserfolg
gründet sich auf die Spezialisierung.
Wir produzieren maßgeschneiderte Zusatzsstoffe,
und das macht uns zu einem
kompetenten Partner für die weltweite
Futterindustrie. Wir betrachten Kalzium-
Seifen als Hauptkonkurrenz zu BergaFat im
Rinderbereich. Unser Ziel ist es, im Markt
innerhalb der nächsten fünf Jahre 50.000
Tonnen Kalzium-Seifen durch BergaFat
zu ersetzen. Hierzu entwickeln wir zurzeit
neue Rohstoffvarianten und Prozess-
technologien. Weitere Einzelheiten möchte
ich – wie Sie sicher verstehen werden –
nicht preisgeben.
Berg+Schmidt gehört zur Stern-Wywiol
Gruppe. Welche besonderen Vorteile bietet
Ihnen diese Zugehörigkeit?
Glenn Riemer: Es ist zunächst die Struktur
der Unternehmensgruppe. Die einzelnen
Unternehmen haben einen hohen Grad
an Spezialisierung auf bestimmte Produkte
und Anwendungen und können selbstständig
unter dem Dach der Stern-Wywiol
Gruppe operieren. Dies ermöglicht kurze
und schnelle Entscheidungswege. Ein weiterer
Vorteil ist das gemeinsame Technologiezentrum
in Ahrensburg. Hier werden
Forschung und Entwicklung der einzelnen
Unternehmen vereinigt. So hilft uns beispielsweise
der Informationsaustausch im
Bereich Enzyme mit der SternEnzym oder
die Kompetenz der Sternchemie im Bereich
der Phospholipide.
Herr Riemer, Sie haben einen verantwortungsvollen
und arbeitsintensiven Job.
Wie entspannen Sie sich am liebsten, um
neue Energie zu tanken?
Glenn Riemer: Normalerweise beantworte
ich Fragen zum Thema „Energie tanken“
natürlich mit unserem „BergaFat“. Aber im
Ernst: Ich habe Freude an der Tätigkeit und
fühle mich in meinem Verantwortungsbereich außerordentlich wohl. Wenn ich
mich dennoch entspannen möchte, dann tue ich das gerne im Freien, also innerhalb
einer der vielen Naturparks in Singapur, am Swimmingpool oder auf dem Golfplatz.
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