Insbesondere hochleistende Milchkühe können nach dem Kalben ihren Energiebedarf
nicht alleine über die reguläre Fütterung abdecken. Beispielsweise benötigt
eine frisch laktierende Kuh mit einer Tagesmilchleistung von 50 kg täglich etwa 200 MJ
NEL an Energie. Kann dieser Bedarf nicht über die Fütterung realisiert werden, wird
das Energiedefizit über den Abbau von Körperfettreserven mobilisiert (siehe Abb. 1).
Gewichtsverlust und mehr oder weniger massive Stoffwechselentgleisungen wie
Gebärparese und Ketose können die Milchkühe gerade in ihrer wichtigsten Leistungsphase
erheblich beeinträchtigen. Aber auch Mastitis, Klauenerkrankungen, Fruchtbarkeitsstörungen
und eine geschwächte Immunabwehr sind direkte Auswirkungen, wenn im ersten Laktationsdrittel ein Energiedefizit
vorliegt.
Abb. 1: Einfluss der Fütterung auf die Energiesituation einer Milchkuh
CLA-Zufütterung sinnvoll
Angesichts eines drohenden Energiedefizits
werden höchste Ansprüche an die Fütterung gestellt. Gerade weil die Kuh
nach der Geburt weniger Futter aufnimmt, müssen höchste Energiekonzentrationen
im Futter von durchaus 7 MJ NEL je kg Trockenmasse angestrebt werden. Neben
hochwertigem Grund- und Kraftfutter ist eine Zufütterung von konjugierten Linolsäuren
eine sinnvolle Maßnahme.
Konjugierte Linolsäuren – kurz CLA (conjugated linoleic acids) – sind modifizierte
Formen der Linolsäure (C18:2). Die Linolsäure ist eine Fettsäure mit 18 Kohlenstoffatomen
und zwei Doppelbindungen, die eine cis- oder trans-Konfiguration haben
können. CLA sind also Verbindungen mit der gleichen chemischen Zusammensetzung,
die jedoch Unterschiede in der geometrischen Struktur aufweisen. Sie unterscheiden sich von der Linolsäure dadurch,
dass eine einzige Einfachbindung die Doppelbindungen voneinander trennt.
Als Ausgangssubstanz für die Herstellung von CLA werden Pflanzenöle verwendet.
Diese Präparate enthalten zu gleichen Teilen cis9,trans11-CLA und das trans10,cis12-
Isomer sowie etwa 1 % andere Isomere.
Gesundheit und Leistung auf einer Linie
Zahlreiche Versuche belegen, dass die Gabe konjugierter Linolsäuren die Gesundheit
bei Hochleistungskühen stabilisiert. CLA besitzen antioxidative Wirkung
und beeinflussen den Fett- und Glukosestoffwechsel positiv.
Der CLA-Einsatz beeinflusst die Milchfettsynthese und die dafür notwendige Energie, entlastet den Energiehaushalt und
wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.
CLA wirken einem Energiedefizit entgegen, gleichen die negative Energiebilanz zwei
bis drei Wochen früher aus und stabilisieren die Stoffwechsellage der Milchkuh.
Bei minimal verändertem Protein- und Laktosegehalt erhöht ein CLA-Einsatz zudem
die Milchmenge signifikant (siehe Tabelle 1). Welchen konkreten Effekt eine
tägliche CLA-Gabe von 10 g bei Hochleistungskühen
ausübt, zeigt Tabelle 2.
Tab. 1: Biologische Daten in den ersten 100 Laktationstagen
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Kontrollgruppe n=8 |
CLA-Gruppe n=9 |
| Milch, kg/d |
37,5 |
± 3,4 |
41,6* |
± 4,5 |
| Fett, % |
4,03 |
± 0,42 |
3,41* |
± 0,46 |
| Fett, kg |
1,51 |
± 0,13 |
1,40 |
± 0,12 |
| Protein, % |
3,28 |
± 0,06 |
3,17 |
± 0,01 |
| Protein, kg |
1,22 |
± 0,06 |
1,30* |
± 0,1 |
| Laktose, % |
4,77 |
± 0,1 |
4,71* |
± 0,03 |
| Laktose, kg |
1,72 |
± 0,33 |
1,90* |
± 0,32 |
| ECM, kg |
37,3 |
± 2,5 |
37,90 |
± 2,8 |
| Lebendmasse, kg |
650 |
± 21 |
661 |
± 20 |
* Unterschiede signifikant mit p < 0,05
(M. Pries et. al., Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster)
Tab. 2: Auswirkungen eines CLA-Einsatzes auf verschiedene Gesundheitsparameter bei
der Milchkuh (Fürll, 2009)
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| Klinische Befunde |
|
Kontrollgruppe |
CLA-Gruppe (10 g pro Tier/Tag) |
| |
|
Anzahl |
% |
Anzahl |
% |
| Kalbung |
Leicht |
15 |
55,6 |
17 |
65,4 |
| |
Mittel |
12 |
44,4 |
8 |
30,8 |
| |
Schwer |
– |
– |
– |
– |
| |
Schnittenbindung |
– |
– |
1 |
3,8 |
| Nachgeburtsverhaltung |
|
6 |
22,2 |
2 |
7,4 |
| Labmagenverlagerung |
|
6 |
22,2 |
2 |
7,4 |
| Endometritis |
|
11 |
40,7 |
11 |
10,7 |
| Mastitis |
|
10 |
37 |
8 |
29,6 |
| Klauenkrankheiten |
|
9 |
33,3 |
3 |
11 |
| Tragend (EBH) |
|
12 |
44,4 |
16 |
59,3 |
| Abgänge |
|
7 |
25,9 |
5 |
18,5 |
CLA beeinflussen die Gesundheit positiv:
- verringertes Energiedefizit in der Laktation (kontrollierter Gewichtsverlust)
- frühere Korrektur der negativen Energiebilanz
- verminderte Ketosegefahr
- weniger Labmagenverlagerungen
- reduzierte Mastitishäufigkeit
- weniger Klauenerkrankungen
- signifikant niedrigere Cholesterol- und Haptoglobinwerte (bei Erkrankungen erhöht)
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Ferner wirken CLA positiv auf die Fruchtbarkeit:
- bessere Besamungserfolge und weniger Fruchtbarkeitsstörungen
- leichtere Abkalbung
- weniger Nachgeburtsverhaltungen
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